Ich muss zugeben, wenn sich die Gelegenheit bietet, dann schaue ich doch immer wieder gerne in so eine Krawall-Talkshow rein, die um die
Mittagszeit die Privatsender bereichert. Des Öfteren muss ich allerdings weiter zappen, weil mein Glaube an die Menschheit sonst unwiderruflich Schaden nehmen würde. Aber bei einem bestimmten
Thema klebt die Fernbedienung von Anfang bis Ende unbenutzt in meiner Hand: "Ich kriege alle Frauen!" oder wahlweise "Ich kriege jeden Kerl, den ich haben will in mein Bett!"
Das ist einfach nur faszinierend. Das ist immer wieder – unglaublich.
Der Einfachheit wegen beziehe ich mich jetzt auf das Thema "Ich kriege alle Frauen". Läuft sowieso alles gleich ab. Bei "Ich
kriege jeden Kerl ..." fehlt mir halt doch die innere Beteiligung.
Die Show beginnt, Kasim wird angkündigt, der von sich behauptet, er hat mit seinen 22 Jahren schon über 50 Frauen gehabt. Ein bildhübscher
Kerl mit einem Gesicht wie aus "Tausend und einer Nacht" kommt herein, setzt sich strahlend auf einen Stuhl, macht die Beine breit und fragt die Welt, was sie von ihm über Weiber wissen will.
Sein Deutsch kommt mit überraschend wenigen Worten zurecht. Dann wird es spannend. Marco, 20, kommt jetzt und er findet Typen wie Kasim zum Kotzen. Ein etwas blasser, schlacksiger junger Mann mit
leicht hängenden Schultern setzt sich neben Kasim und findet es Scheiße, wie der mit Frauen umgeht. Kasim schaut ihn mitleidig an und weiss überhaupt nicht, von was der redet. Marco ist moralisch
zwar engagiert, kommt aber nicht sehr überzeugend rüber. Jetzt freuen wir uns gemeinsam auf Sandro, 28, an dem die Frauen nur deshalb so kleben, weil er ihnen zeigt, wo´s langgeht. Sandro ist
Bauhelfer, macht Bodybuilding und hat beeindruckende körperliche Ausmaße. Er hat viel zu sagen, aber man versteht ihn schlecht, weil sächsisch nicht jedem geläufig ist. Machos sind das Letzte,
meint der nächste Gast, und das ist Hansheinz, Hausmann und Vater von drei Kindern. Schmal im Gesicht, T-Shirt, Vollbart, Brille, greift er Sandro sofort an. Der weiß überhaupt nicht von was der
redet und schaut ihn nur mitleidig an. Hansheinz ist zwar laut, bleibt dabei aber seltsam unsichtbar. Es folgen noch andere Gäste, aber nix Neues kommt nicht nach.
Heinrich Heine hat das mal ungefähr so ausgedrückt:
" ... ihnen ist die Kraft des Bösen abhanden gekommen, aber auch die Kraft des Guten"
Ich denke, ein kräftiger Schuss männliches Arschloch und eine Schaufel weibliche Schlampe ist eine gute Voraussetzung für eine lange
Beziehung.