Donnerstag, 17. juli 2008
Wenn ich an meine Aufzucht denke, dann hatte eine Antwort meines Vaters auf meine Frage nach dem „Wieso“ oder „Warum“ einer
bestimmten Regel oder eines bestimmten Verbotes jahrelange Gültigkeit: „Weil ich es so sage!“
Später wurde das dann etwas verständlicher formuliert: „Solange du deine Füße unter meinen Tisch ... ...!“
Als ich später mein Elternhaus verließ, waren logischerweise noch ein paar Fragen offen. Die wollte ich mir dann selbst beantworten. Im ersten Jahr wohnte ich möbliert bei einer Witwe.
Frauenbesuche nur bis 22 Uhr, keine laute Musik, Rauchen und Kochen nur bei offenem Fenster. Meine Regierung befreite mich letztendlich aus dieser weiteren Einöde der Unfreiheit. Die Bundeswehr
brauchte meine Hilfe. Endlich mal ein Ort, an dem eigenes Denken und Handeln gefordert wurde. Ein Paragraph im Soldatengesetz lautete: „... bei der Überquerung eines Flusses, hat der Soldat bei
einer Wasserhöhe von 1,50 Metern selbständig mit Schwimmbewegungen zu beginnen, ohne auf den Befehl darauf zu warten.“ So ähnlich war es wirklich nachzulesen. Die restlichen 20.000 Paragraphen
kosteten einem allerdings bei infrage stellen mindestens das Wochenende.
Danach machte ich eine Handwerkerlehre. Drei Jahre. Dort bekam ich gezeigt, wie man es macht. So, und nicht anders. Als Geselle arbeitete ich dann in drei anderen Betrieben. Dort wurde nichts so
gemacht, wie ich es gelernt hatte Auf meine Frage nach dem „Wieso“ oder „Warum“ bekam ich stets die für meine berufliche Weiterentwicklung so wichtige Antwort: „Weil wir es hier schon immer so
machen!“
Nach fünf Jahren habe ich die Meisterprüfung abgelegt und auch eine zeit lang Lehrlinge ausgebildet. Endlich konnte ich jemandem zeigen, wie es wirklich geht. So, aber nicht so! Ein gutes Gefühl
war das.
Seit –zig Jahren bin ich nun ein sogenannter Freischaffender. Wenn ich jetzt etwas mache, dann weiß ich „Warum“ und ich weiß auch „Wieso“. Deshalb mache ich es so, und nicht anders. Mein Handeln
ist jetzt logisch begründet und macht Sinn.
Was meine Frau angeht, so sagt sie gerne zu mir „Du musst!“. Ich mach das dann auch. Aber als selbstbestimmte Person. Das beeindruckt sie. In diesem Fall gebe ich meinem Handeln eben nachträglich
eine logische Begründung und verbalisiere knochentrocken den Sinn meines Tuns. Unabhängigkeit von Zwängen will erkämpft sein. Aber es lohnt sich.
von Bacci
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veröffentlicht in: Leben
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