Samstag, 12. juli 2008
Ich bin immer wieder seltsam berührt, wenn ich diese Milchgesichter in Afghanistan oder im Irak in der Tagesschau oder sonstwo sehe. Buben, die gekleidet sind wie der Universal-Soldier und aussehen wie ein Pizzabote. Das sind sie und das waren sie schon immer, die so genannten Kriegshelden. Als ich 19 Jahre alt war, ich war gerade 6 Wochen bei der Bundeswehr, wurde bekannt, dass der „Schwarze September“ auf militärische Einrichtungen, wie zum Beispiel mein Regiment, gewaltige Anschläge plant. Um dem vorzubeugen, stattete man mich und einen schmächtigen Abiturienten mit scharfer Munition für unsere Schnellfeuergewehre aus und fuhr uns 2 Kilometer in den Wald an das „Ost-Tor“. Vorher wurden wir noch ausführlich darüber informiert, das der Angreifer über Panzerfäuste, Uzis, Kalaschnikows und ähnlich beeindruckenden Fernwaffen verfügt. Der Irrsinn war, wir und das Tor waren hell beleuchtet und ab 10 Metern um uns herum war alles sacknacht. Wir waren keine Wachen, sondern wir waren Schießbudenfiguren. Damals hatte ich lange acht Stunden Zeit, um über den Sinn eines Männerlebens nachzudenken. Am „Ost-Tor“ ist nichts passiert, aber bei allen meinen Großvätern und Urgroßvätern ist was passiert. Die waren alle in richtigen Kriegen. Ihr „Ost-Tor“ hieß Verdun oder Stalingrad oder Leipnitz oder sonst was. Keiner von ihnen wollte dahin. Sie waren da, weil alle Männer dort waren.
Jetzt dürfen Frauen zum Militär. Und sie melden sich. Freiwillig!
Maggie Thatcher hat damals im Handstreich die Falklands zurückerobert.
Kriege wird es wohl immer geben, aber vielleicht werden sie in Zukunft weiblicher.
High-Tec-Waffen und Pizzabotinnen.
von Bacci - veröffentlicht in: Leben - Community: Kultur-Schock
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