Sie haben mir nicht erzählt, daß es zwei Sorten von Rindviechern gibt. Die einen nennt man Kühe, die anderen Bullen. Die Bullen sollte man nicht versuchen zu streicheln, ausser man nennt die Bullen Ochsen, dann kann man es. Ebenfalls gibt es Unterschiede beim Federvieh. Freilaufende Hühner hüpfen beflissen zur Seite, wenn man den Hof betritt, eine Horde Gänse dagegen tobt lärmend und flügelschlagend auf einen zu und tut einem richtig weh, vor allem, wenn man erst 6 Jahre alt ist. "Gans" kannte ich von meinen Eltern nur im Zusammenhang mit Weihnachten. „Hunde die bellen, beißen nicht.“ Schön, aber man sollte diesen Spruch nicht bei einem Hofhund überprüfen, der sein erbärmliches Leben ausschließlich an einer 5m langen Kette verbracht hat. Bis ich mein 10. Lebensjahr erreicht hatte, habe ich sehr viel gelernt, nicht nur über Tiere, sondern auch über Pflanzen. Manche schmecken gut, machen satt, andere lassen dich 3 Tage nicht mehr von der Kloschüssel runter. Ab meinem 11. Lebensjahr landete ich dann wieder in der Stadt, in einem Knabengymnasium. Bei dem, was da ablief, konnten mir die Eltern auch nicht helfen. Die waren ja jetzt Provinzler. Die soziale Hack- und Rangordnung unter uns Schülern auf der einen, und die fantsievolle Machtausübung seitens der Lehrer auf der anderen Seite, ließen mich die folgenden fünf Jahre unentwegt Neues lernen. Dann hörte Schule auf und das richtige Leben begann.
In den folgenden –zig Jahren haben mir meine Erfahrungen und meine soliden Wurzeln immer recht gut geholfen, aber wenn ich mal in eine böse Falle getappt bin, dann wurde sie von einem aufgestellt, der vollkommen frei von jedem Warnhinweis war.
Nach jedem blutigen Massaker bestätigt die eilig befragte Umwelt des Täters erst einmal, dass er ein ruhiger, freundlicher und hilfsbereiter Mensch gewesen sei.
Wie soll man denn auf so eine Erlebnis reagieren? Ich glaube, besser gar nicht.
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